Kasachstan
Kasachstan Das Land ist riesig - doppelt so groß wie Deutschland, Frankreich und Spanien zusammengenommen.
Kasachstan, das riesige Land - fast 70 mal größer als die Schweiz und mit bloß 18 Millionen Einwohner sehr dünn besiedelt - liegt mitten in Asien und bildet kulturell eine Brücke zwischen Europa und Asien. Es erstreckt sich vom Kaspischen Meer im Westen bis zur Mongolei im Osten, grenzt im Norden an Sibirien und endet im Tienshan Gebirge im Süden.
Geschichte:Das Siedlungsgebiet der Kasachen wurde um 1200 von der Goldenen Horde der Mongolen erobert. 1846 gelangte das gesamte Gebiet unter russische Oberhoheit. am 26.08.1920 wurde innerhalb der Russischen SFSR die Kirgisische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan gebildet. Am 05.12.1936 wurde die Kirgisische ASSR zur Sozialistischen Sowjetrepublik und erhielt den Namen Kasachstan. 1991 erklärte die Kasachische SSR sich zur unabhängigen Republik Kasachstan. Die Landesmitte: Der einzigartige Balchasch-See ist zur Hälfte salzwasser- und zur anderen Hälfte süßwasserhaltig. In der Karkarala-Oase findet man Siedlungen aus der Neustein- und Bronzezeit sowie Stätten aus der Bronze- und der frühen Eisenzeit.
Im Bayan-Aul-Nationalpark erwarten den Besucher Steinzeichnungen und Steinskulpturen. Baikonur Cosmodrome ist das zentralasiatische Kap Canaveral und liegt 5 km von Leninsk und 230 km von Kzyl-Orda entfernt. Von hier aus startete Yuri Gagarin, der erste Kosmonaut im Weltraum, am 12. April 1961 die erste Erdumrundung. Auch heute noch kann man Raketenstarts miterleben. Der Westen:Das Kaspische Meeresbecken in West-Kasachstan ist der größte abflusslose See der Erde. Östlich des Kaspischen Meeres liegt der Aral-See. Die Karagie-Tiefebene liegt 132 m u. d. M. und ist nach dem Toten Meer der zweittiefste Punkt der Erde. Es gibt zahlreiche Sehenswürdigkeiten, unter anderem die unterirdische Schakpak-Ata-Moschee in Kreuzform (12.-14. Jh.), die aus Stein gehauen wurde.
Der Norden :Das Naturreservat Kurgaljino, in Nord-Kasachstan, beherbergt das nördlichste Habitat von rosa Flamingos der Erde. Das reizvolle Naturschutzgebiet Naurzum bietet eine von Wäldern umgebene Salzseen, uralte Fichtenstämme, zwischen Sanddünen verstreut, Fichtenwälder, die aus Salzsumpfgebieten emporwachsen, weite Wiesen und seltene Schwan- und Adlerarten.
Der Osten: Ost-Kasachstan bietet eine farbenfrohe Landschaft mit schneebedeckten Berggipfeln, steil abfallenden, bewaldeten Schluchten und malerischen Zedernwäldern. Der Marakol-See macht dem Baikal-See in seiner Schönheit Konkurrenz. Die Stadt Semipalatinsk liegt nur 30 km von Sibirien entfernt. Dostojewski lebte hier von 1857-1859 im Exil. Sein Haus ist heute ein Museum. Zu den anderen Museen der Stadt zählen das Abai-Kununbaeow-Museum, das an den gleichnamigen kasachischen Dichter erinnert, sowie das Geschichtsmuseum. Bis 1990 wurden südwestlich von Semipalatinsk Atomversuche unternommen. Heute liegt die radioaktive Strahlung jedoch innerhalb der international zugelassenen Grenzwerte. Die Bergbau- und Eisenhüttenstadt Ust-Kamenogorsk ist das Tor zum Altai-Gebirge, das mit Wiesen und Wäldern bedeckt ist und sich über Tausende von Kilometern bis in die Mongolei erstreckt. Rakmanowski im Altai-Gebirge ist bekannt für seine Langlaufgebiete, übernachtet wird in einer Turbasa (s. Unterkunft).
Der Süden: Die Landschaft ist so abwechselungsreich, daß man innerhalb eines Tages alle vier Jahreszeiten zu sehen bekommt, wenn man von den schneebedeckten Gipfeln, Seen und Gletschern des Tienschan zur Steppe und Wüstenlandschaft reist. Die Berge sind Treffpunkt für Bergsteiger und Skifahrer, und es gibt zahlreiche Wintersportorte. Ein Kuriosum ist die Singende Barkhan - eine 80 m hohe und 3 km lange Sanddüne in der Wüste, die sich bewegt und dabei nach und nach zerfällt. Die Bewegung löst ein merkwürdiges Geräusch aus, das an lautes Singen erinnert. Entsprechend vielfältig ist seine Landschaft: verschiedene Wüsten, Halbwüsten und Steppen nehmen die größte Fläche ein. Zwischen diesen kargen Gebieten und den vergletscherten Bergen des Tienshan liegen äußerst fruchtbare Gebiete, welche das Land mit Nahrungsmitteln versorgen. Auen von einer Ausdehnung und Wildheit, wie wir sie uns in Mitteleuropa nicht mehr vorstellen können, durchziehen Wüsten und Steppen. Diese Vielfalt an Landschaften beherbergt eine große Artenvielfalt. Bekannte und zum Teil auch seltene Tierarten wie der Wildesel "Kulan" oder die Kropfgazelle sind normalerweise durchaus zu sehen, während es für Beobachtungen von Bär, Wolf, Schneeleopard und Sagaantilope schon sehr viel Glück braucht. Das zentralasiatische Land an der berühmten Seidenstrasse ist zum Teil Geburtsstätte vieler Kulturpflanzen, die wir im Westen nutzen (Alma Ata = Vater des Apfels). Hier hat es zahlreiche wilde Obstbäume wie Apfel- und Birn-, Aprikosen- und Mandelbäume. Zudem begegnen wir den Urformen des Getreides. Vor allem aber begeistert die immense Vielfalt der Vogelarten. Dazu gehören der geheimnisvolle Irisschnabel, der seltene Wermutregenpfeifer, das heimliche Purpurhähnchen, die selten beobachtete Gelbaugentaube, der Riesenrotschwanz, das Himalaya-Königshuhn und unzählige andere Arten. Die Kurorte Kasachstan hat eine Vielzahl von Kurorten, die u. a. Wasser- und Schlammbehandlungen anbieten. Es gibt 98 Urlaubshotels mit verschiedenen Behandlungseinrichtungen und 115 Sanatorien zur medizinischen Vorbeugung. Zu den international bekanntesten Urlaubsorten zählen Sari Agach (im Süden), Mujaldi (Region Pavlodar), Arasan-Kapal (Region Taldikorgan), Jani-Kurgan (Region Kzil-Ordat), Kokschetau und Zerenda (Region Kokschetau) und das Zaili-Alatau-Gebiet.
Almaty:Die Stadt liegt zwischen Bergen und Ebenen am Fuß der hohen Tienschan-Bergkette. Die noch junge Stadt (1854 gegründet) bietet moderne Architektur, breite Straßen, Parkanlagen und Plätze. Vom Gipfel des Kok-Tjube (Grüner Berg), der leicht mit einer Drahtseilbahn zu erreichen ist, hat man einen herrlichen Panoramablick über die Stadt. Besonders sehenswert ist der Panfilov-Park mit der Zenkov-Kathedrale, die zu den höchsten Holzbauwerken der Welt zählt. Christen zelebrieren ihre Messe in der St.-Nikolaus-Kathedrale.
Das Kasachstaner Museum für Volksmusikinstrumente, das Archäologie-Museum und das staatliche Kunstmuseum sind besonders besuchenswert. In den Arasan-Bädern im westlichen Teil des Panfilov-Parks kann man sich in türkischen, finnischen und russischen Saunas entspannen. Die zauberhafte Umgebung lädt zu Wanderungen und Ausflügen ein. Das fast 5000 m hohe Alatau-Gebirge in der Nähe von Almaty bietet das ganze Jahr über zahlreiche Gelegenheiten zum Sporttreiben und zur Erholung. Im Winter fahren vor allem Skifahrer in diese Region. Besucher können in Touristenzentren mit verschiedenen Einrichtungen übernachten. Das Tienschan-Gebirge im Südosten von Kasachstan erstreckt sich über mehr als 1500 km. Die höchsten Gipfel sind Pobeda (7439 m) und Khan-Tengri (7010 m). Der Inylchek-Gletscher, der beinahe 60 km lang ist, trennt die beiden Gipfel, und in seinem Zentrum liegt der Mertzbakher-See.Wirtschaftprofil: Kasachstan ist reich an Bodenschätzen - Zink, Wolfram, Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Zinn, Mangan, Bauxit, Molybdän, Titan, Kohle, Chrom, Kupfer, Blei, Gold und Silber werden gefördert. Es gibt außerdem große Marmor- und Granitvorkommen. Da immer noch viele Konsumgüter aus anderen GUS-Republiken importiert werden müssen, strebt man verstärkt den Ausbau der Verbrauchsgüterindustrie an. Maschinenbau und chemische Industrie sind von Bedeutung. Die leistungsfähige Landwirtschaft hat ebenfalls großen wirtschaftlichen Stellenwert. Haupterzeugnisse sind Getreide, Fleisch, Baumwolle und Wolle. Fischzucht wird hauptsächlich zur Kaviarproduktion betrieben. Anlaß zum Optimismus geben die Nutzungsvereinbarungen für zwei große Ölfelder mit einer amerikanischen Firma, und ein ähnliches Joint-venture mit dem britischen Unternehmen British Gas, das die Förderung von Erdgas vorsieht. Mit Ausnahme der Rüstungsindustrie sind ausländische Kapitalanlagen inzwischen in allen Bereichen erlaubt. Importiert werden überwiegend Nahrungsmittel, Maschinen und elektrotechnische Produkte, wichtigste Ausfuhrgüter sind Erdöl, Metallwaren und chemische Erzeugnisse, vor allem Düngemittel. Wichtigste Handelspartner 1993 waren die Niederlande, die Tschechische Republik und Italien. Ferner sind die anderen GUS-Staaten, Schweiz, Großbritannien, die USA und Deutschland wichtige Handelspartner. Kasachstan gehört der Zentralasiatischen Wirtschaftszone (ECO) an. Kasachstan ist außerdem Mitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und seit 1992 auch Mitglied der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Sozialprofil: Zu den typisch kasachischen Gerichten gehören Kasi, Tschuschuk, Suret und Beschbarmak (aus Pferdefleisch oder Hammel). Schaschlik (aufgespießte Hammelfleischstücke, über Kohle gegrillt) und Lepeschka (rundes, ungesäuertes Brot) werden oft an Straßenecken verkauft. Plov wird aus Hammelfleisch, geraspelten Steckrüben und Reis gemacht und ist eines der Nationalgerichte der zentralasiatischen Republiken. Zu anderen Hammelfleisch-Gerichten wie Laghman und Beschbarmak gehören dicke Nudeln, die mit einer scharfen Fleischsoße serviert werden. Manty (kleine Nudeltaschen mit Fleisch und Gemüse), Samsa (mit Fleisch oder Gemüse gefüllte, scharf gewürzte Teigtaschen) und Tschiburekki (frittierte Teigküchlein) sind beliebte Snacks. Getränke: Kasachischer Tee (oder Tschai) ist sehr beliebt. In den Tschai-Khana (Teehäuser), einer nationalen Institution, können Besucher diese kasachische Spezialität kosten. Bier, Wodka, Brandy und Sekt sind in vielen Restaurants erhältlich. Das Nationalgetränk ist Kumis, gegorene Stutenmilch. Bei der Begrüßung gibt der Gastgeber dem Gast beide Hände. Traditionsgemäß servieren die meisten Kasachen dem wichtigsten Gast (in der Regel dem Ältesten) einen gekochten Schafskopf als Zeichen des Respekts. Der nationale Brauch verbietet es jüngeren Familienmitgliedern, deren Eltern noch leben, den Schafskopf anzuschneiden. Sie müssen den Schafskopf den anderen Gästen zum Anschneiden weiterreichen. In den Moscheen befolgen Frauen ihre eigenen Rituale in einem separaten Raum. Sie müssen ihre Köpfe und Arme bedecken.Sprache: Amtssprache ist Kasachisch, eine der Turksprachen. Nach Regierungsbeschlüssen soll das russische kyrillische Alphabet durch die türkische Version des lateinischen Alphabetes ersetzt werden. Bisher wird jedoch noch allgemein das kyrillische Alphabet benutzt, und die Stadtbewohner sprechen Russisch, wohingegen die Landbevölkerung ausschließlich Kasachisch spricht.
Staatsform: Präsidialrepublik seit 1991, neue Verfassung seit 1995. Einkammerparlament (Oberster Kenges) mit 177 Mitgliedern. Staatsoberhaupt: Nursultan A. Nasarbajew, seit 1990. Regierungschef: Akeschan Kaschegeldin, seit 1994. Bei den ersten freien Wahlen Anfang 1994 wurden Vorwürfe der Wahlfälschung laut.
Heutige Situation:Nach der Trennung von Russland ist die Volkswirtschaft eingebrochen, die alte Sowjetmentalität der Bürokratie hemmt den Wiederaufbau. Statt saniert zu werden, mussten allzu umweltschädigende und unrentable Betriebe geschlossen werden. Folge: Massenarbeitslosigkeit und weder Arbeitslosenversicherung noch anderes soziales Netz. Folge: ungenügende Ernährung, Heizung, Bekleidung, baufällige Häuser. In dem an Sibirien grenzenden, weiten Steppenland aber fällt das Thermometer im Winter bis auf unter - 40°. Unterernährt und frierend in düsteren Mietskasernen fallen immer mehr Menschen der Tuberkulose zum Opfer. Und es gibt keine Krankenkasse... Darum fehlt es auch in Spitälern an der notwendigsten Ausrüstung und Einrichtung. Meist ist die Beleuchtung dürftig und Bettwäsche ist oft Luxus! Hier brachten die Sowjetführer von 1949 bis 1989 über fünfhundert Atombomben zur Explosion, um die Wirkung auf Gelände, Menschen und Tiere zu testen. All das in Kasachstan, nicht Tschernobyl ! Schwerstbehinderte erbgeschädigte Kinder, teils mit deformierten Gliedern, teils gehörlos oder blind, oft geistig behindert, leiden unter den Folgen. Mehr als anderswo erkranken hier Menschen, besonders an Krebs und Leukämie. Haben Sie schon gehört von der chemischen Verseuchung weiter Gebiete Kasachstans? Den Deponien schlimmster Gifte der alten Sowjetunion? Den Pestiziden der Baumwoll-Monokulturen im weiten Gebiet rund um den Aralsee? Der Anlage der am meisten umweltbelastenden Industrien - inklusive Weltraumstation - in Kasachstan?




